Montag, 24. August 2009 PFORZHEIM

Als die Figuren entdeckten, dass sie jemand in der Hand hat
Amüsante Szenen, interessante Insekten und ein pfeilschneller Teufel beim Sommerfest des Figurentheaters

(...) „Puppenauflauf“ nennen Christoph Buchfink und Andy Clapp die rasante Abfolge einzelner Szenen, die über wiederkehrende Figuren verbunden werden, wie etwa durch den indischen Yogi, der für alle Problemfälle dieselbe Lösung parat hat: „Breathe in - breathe out“ (zu deutsch: Einatmen, Ausatmen). Viele Lacher bekam auch der pfeilschnelle Teufel, der sich beim lieben Fred den Kühlschrank ausborgt, weil er seinen Brandy endlich mal mit Eiswürfeln trinken will.
Mit viel Witz und Verve machten Buchfink und Clapp vor keinem Thema Halt: Wie deutsche Rekruten für den Afghanistaneinsatz geworben werden, erläuterten sie ebenso wie den Grund, warum der arbeitslose Karl keinen Job findet oder die Frage, ob Deutschland sich nicht eine Königin nach dem Vorbild der englischen Queen anschaffen sollte.
Buchfink beeindruckte nicht zuletzt durch den varianten-reichen spontanen Einbau der Brotzinger Kirchenglocken in die Szenen. Witzig war außerdem die Überschreitung der Grenze von Puppe und Spieler, etwa wenn Clapp und Buchfink in die Rollen von Kasperlefiguren schlüpften oder die Figuren am Ende entdeckten, dass sie jemand „in der Hand“ hat und die beiden Spieler verprügelten (...)

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Redaktion goest.de

Puppedy - Pupparett - Puppenauflauf
Fr. 7.10.11 , 20.15 Uhr im APEX Göttingen

Voller Elan und Spielfreude reihten die beiden Puppenspieler Szene an Szene. Kaum nachzuvollziehen, wie schnell sie hinter der Puppenbühne die ganzen Wechsel hinbekommen haben. Dann sprechen die Puppen auch noch unterschiedliche Dialekte ! Der schwäbelnde Fred, der italienisch mit der Sprache hämmernde Mafiosi, die wienerisch sprechende Frau, der perfekt mit indischem Akzent sprechende Meditationslehrer: "Breaaaathe iiiiin - breaaaathe out, you must relax my fellow", der biertrinkende Proll, und das alles durcheinander. Zwischendrin der Schweinehund der wirklich so aussah. Manchmal genial absurdes Theater und manchmal ziemlicher Quatsch.
Ein Höhepunkt: die furiose Auseinandersetzung zwischen Himmel und Hölle, bei der schließlich Petrus und der Teufel sich versuchten mit Reizbegriffen gegenseitig fertigzumachen war Spitzenleistung: Petrus "immerwährende Gnade und Demut" ... der Teufel sinkt getroffen zusammen und wehrt sich dann mit "Sahnetorte, Brandy", woraufhin Petrus getroffen in die Knie geht usw. schließlich erringt der Teufel einen Zwischensieg mit einem lasziven Wort ... auf das Petrus nur noch verträumt "rosa Schleifchen" hinzufügt.

Und schon steht da ein Vogel und der Proll und sie schauen die sehr hohe Bühne hinunter: ah tief, substantiv, nein akkusativ, eher datief, mhhh infinitief !, und sich gegenseitig bedrängend: dominativ, laaasssziv! Und schon gehts weiter mit der nächsten Szene. (Wir fallen durch hemmungsloses Lachen auf - werden aber durch den immer wieder auftauchenden indischen Meditationslehrer beruhigt ... breaaathe in - breaaaathe out)

Ach ja und dann noch die Queen und der Proll auf dem Arbeitsamt und dann noch die Tricks, einem zum Tode verurteilten eine Weltreise anzudrehen oder Heiratswillige in die Armee zu schleusen usw. usw.
Die Vorstellung war ein echtes Anti-Depressiva in der beginnenden Herbstkälte und verführte einige aus dem Publikum zum längeren heiteren Aufenthalt mit lautem Lachen und Nachsprechen der Szenen in der Apexkneipe. Am liebsten würde ich bald wieder eine Vorführung sehen.